Weiter auf der Suche nach Windflächen und den zwei Prozent

Der Haupt- und Planungsausschuss hat sich am Donnerstag intensiv mit den möglichen künftigen Windvorrangflächen in Waldeck-Frankenberg, im Schwalm-Eder-Kreis und im Kreis Hersfeld-Rothenburg beschäftigt.

Insgesamt sind derzeit etwa 16.600 ha als Flächen für Vorranggebiete in ganz Nordhessen für die Offenlage gefunden. Das entspricht gut dem 2%-Ziel des Hessischen Energiegipfels. Bei vielen Flächen gibt es aber erhebliche naturschutzfachliche Bedenken, die dazu führen können, dass die Flächen nach der Offenlage und der Bearbeitung der Einwendungen nicht mehr für Windvorrangflächen in Frage kommen. Genaueres dazu lässt sich in den Steckbriefen zu den einzelnen Flächen nachlesen.

Während der Sitzung wurden insbesondere Flächen im Schwalm-Eder-Kreis diskutiert. Dort ging es zunächst um eine Fläche in Felsberg, die entlang der Autobahn liegt und von der Stadt gerne als Windvorrangfläche entwickelt werden soll. Die Fläche ist allerdings recht klein, da nur in einem schmalen Streifen des Höhenzugs die Mindestwindgeschwindigkeit von 5,75 m/s erreicht wird. Nun soll geprüft werden, ob über Windgutachten auch angrenzende Flächen doch diesen Mindestwert erreichen.

Weiter ging es um die Fläche östlich von Spangenberg. Hier trugen Herr Hessler und Herr Decker die Bedenken der Bürger vor, die eine Beeinträchtigung des Blickes auf das Schloss befürchteten, und forderten, dass hier der Bürgerwillen stärker berücksichtigt werden müsse. Außerdem kritisierten sie, dass die Fläche im Vogelschutzgebiet wegen des Vogel- und Naturschutzes im aktuellen Entwurf nicht mehr vorgesehen sei, obwohl sich die angrenzenden Gemeinden einig seien, dass man das Gebiet gemeinsam entwickeln wolle. Das wiege umso schwerer, als im Schwalm-Eder-Kreis insgesamt nur wenig Flächen ausgewiesen werden würden.

Die Bedenken wegen der Bürgerbeteiligung und einer ausgeglichenen Berücksichtigung der Landkreise sind zwar grundsätzlich richtig, die Diskussion dazu und die Weichenstellungen haben aber bereits bei der Abstimmung der Kriterien statt gefunden. Ich hatte damals explizit darauf hingewiesen, dass durch die Festlegung auf 5,75 m/s nur wenig Standorte im Schwalm-Eder Kreis in Frage kommen würden. Auch dass weder die Akzeptanz vor Ort oder der Wille der Kommunen berücksichtigt werden würden, war muss allen Beteiligten bei der Festlegung der Kriterien klar gewesen sein. Hier hätte ich mir gewünscht, dass sich die beiden Kollegen von der SPD bereits damals für mehr Suchflächen im Schwalm-Eder-Kreis und mehr Bürgerbeteiligung im Prozess eingesetzt hätten und nicht erst jetzt, nachdem die Planungen weitgehend stehen.

Als nächstes zeichnet sich die Diskussion ab, wie man mit dem 2% Ziel umgehen will. Bisher reichen die Flächen nur für 2% in der Offenlage,. Nach der Offenlage werden weniger als 2% übrig bleiben. Allerdings ist auch unklar, woher die zusätzlichen Flächen kommen sollen. Die Aufnahme der Kleinflächen, die am 10.12. beschlossen wurde, bringt maximal 80 zusätzliche Hektar. Es gab einen Vorschlag der Grünen, auf vorbelasteten Flächen zB in Autobahnnähe auch unter die 5,75 m/s zu gehen. Dies ist aber nach den aktuellen Planungen leider nicht zulässig. Ein weiterer Weg könnte sein, weitere Flächen mit 5,75 m/s über Gutachten nachzuweisen. Allerdings müssten diese Gutachten recht zeitnah erstellt und geprüft werden.

Am 22. Januar wird es noch eine weitere Ausschusssitzung geben, in der dann der endgültige Entwurf, der von der Regionalversammlung am 28. Januar abgestimmt werden soll, vorgelegt wird. Dort werden auch die Anträge zur Salzeinleitung in die Werra und zum Ausschluss von Fracking in Nordhessen beraten, die am Donnerstag verschoben wurden. Erfreulich war, dass sehr viele interessierte Bürger als Gäste bei der Sitzung dabei waren. Der Öffentlichkeitsbereich war mit ca. 20 Personen verhältnismäßig gut besetzt. Ich bin allerdings sicher, dass wir ebenso viele Personen als Zuschauer in einem Stream gehabt hätten, wenn wir die Sitzung online übertragen hätten.

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